

ab hier chronologisch: vom 21. bis ins 15. Jahrhundert
»Wir kennen ihn als einen selbstbewussten, durchsetzungsfähigen Mann, sensiblen Poeten, genialen Komponisten und geschickten Diplomaten.«
Barbara Stuhlmeyer in Karfunkel Nr. 98, Feb. 2012
»Oswald von Wolkenstein ist als Ritter, Dichter und Sänger eine Persönlichkeit von wahrhaft europäischem Rang, ja von Weltformat.«
Prof.
Dr. Sieglinde Hartmann 2011 in »Oswald von Wolkenstein«, S. 130
»Welchen Anteil OvW an der Komposition seiner mehrstimmigen Werke hatte, lässt sich letzlich nicht feststellen. [...] Dass Oswald Mehrstimmigkeit eine gesonderte Beachtung gefunden hat, hängt ferner damit zusammen, dass sie zumindest aus heutiger Sicht als Meilenstein und richtungweisend für die Musik im deutschsprachigen Raum gilt, weil sie nach den wenigen, sehr schlichten polyphonen Stücken des Mönchs von Salzburg das erste große mehrstimmige Œuvre in deutscher Sprache überhaupt darstellt und damit den Weg aus der bis dato vorherrschenden Einstimmigkeit aufzuzeigen scheint.«
Marc Lewon 2011 in »Oswald von Wolkenstein«, S. 171 + 174
»Dem größten Lieddichter des Spätmittelalters ...
als größtem Tiroler Dichter zwischen (dem Nicht-Tiroler) Walther von der Vogelweide und dem Weimarer Dichterfürsten Goethe ...
Als wortgewaltiger und sprachspielerischer Lyriker und höchst begabter Liederkomponist, dessen ein- und mehrstimmige Lieder wegen ihrer Individualität und Variationsbreite zu den bedeutendsten und markantesten Zeugnissen deutscher Liedkunst der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zählen, lebt bis heute weiter und genießt internationales Ansehen sowie uneingeschränkte Bewunderung.«
Merano Magazine, Nr. 1/2011, Meran 2011, S. 74-76
»...
das Bild einer vielseitigen Künstlerpersönlichkeit ... , welche
der deutschen Liedkunst des Spätmittelalters gänzlich neue Themen
und Liedtypen erschlossen habe.
Diese Einschätzung ist inzwischen nicht mehr umstritten. So manche der jüngsten Untersuchungen legen sogar die Schlussfolgerung
nahe, dass mit Oswald von Wolkenstein einer
der genialsten Lyriker der gesamten deutschen Literaturgeschichte wieder entdeckt worden sei. [...]
Und das ist das ganz Neue an Oswalds Lyrik: seine neue Sprache sinnlicher
Wahrnehmung. [...]
Außer Zweifel steht ..., dass Oswald von Wolkenstein mit
seiner autobiographischen Lyrik ein neues Kapitel in der deutschen Literaturgeschichte
eröffnet hat. ... Bekanntlich bezeichnen germanistische Sprachhistoriker
den neuen Sprachstand als Frühneuhochdeutsch. Daher sind in der Sprache
Oswalds von Wolkenstein bereits fast alle neuhochdeutschen Lautverschiebungen
durchgeführt. Auch in dieser Hinsicht hat Oswalds neue Sprache sinnlicher
Wahrnehmung die Zeit der mittelhochdeutschen Klassik
definitiv hinter sich gelassen.
Einzig in ihren künstlerischen Darbietungsformen bleibt seine Sprachkunst
der Sangverslyrik klassischer Minnesänger noch eng verbunden. In dieser
Hinsicht musste und durfte sich Oswald von Wolkenstein zu Recht als die
›Nachtigall‹ seiner Zeit fühlen. Insofern trägt sein
Werk ein wahres Janusgesicht: Formal weist es zurück in die Vergangenheit
des Hochmittelalters, inhaltlich und sprachlich weist es weit voraus in
die Neuzeit.«
Sieglinde Hartmann 2005
»...
ein intensiv gelebtes Leben: Exzessiv, exzentrisch, egoistisch, widersprüchlich,
sinnlich, streitlustig, zynisch, fromm, kreativ, produktiv bis zur Triebhaftigkeit,
stolz, rechthaberisch, anlehnungsbedürftig, neugierig und angefochten.«
Jens Voskamp: »Des Minnesängers Jagd nach
dem Glück«
Kritik zur Nürnberger Uraufführung der Wolkenstein-Oper,
Nürnberger Nachrichten, 8.3.2004
»Was
für ein pralles Leben. Oswald von Wolkenstein: Im Alter von zehn Jahren
wird er Knappe eines fahrenden Ritters, durchzieht halb Europa und Kleinasien,
lässt sich in allen Tugenden und Untugenden des Kriegshandwerks
und der höfischen Künste unterweisen, reibt sich in Erbstreitigkeiten
mit seiner Familie auf, verliert ein Auge, liebt sich durch die bessere Gesellschaft
und den niederen Stand, heiratet und bekommt Nachwuchs wie am Fließband,
verstrickt sich in politische Ränkespiele und sieht die Kerker von innen,
mischt sich in die Machtkämpfe von Fürsten und Bischöfen, wird
handgreiflich gegen Repräsentanten des Klerus. Mitglied von Ordensrichtungen
und Kommissionen, Richter und Kreuzfahrer, Gründer des Elefantenbundes
Tiroler Adliger gegen den Landesherrn, Diplomat und Gesandter, Dichter, Rebell
und Raufbold – das schiere Gegenbild zum höfisch-idealistischen
Walther von der Vogelweide, der ihm als Minnesänger vorausging. 1445
stirbt Oswald mit siebzig, gelebt aber hat er dreimal so viel Jahre.«
Wolfgang Sandner:
»Müder Krieger mit sanftem Hackbrett«
Kritik zur Nürnberger Uraufführung der Wolkenstein-Oper,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.3.2004

»Das
Werk Oswalds von Wolkenstein ist so facettenreich wie seine Person. Als bedeutender
Adliger Südtirols und einflußreicher Politiker auf Reichsebene
reist er durch ganz Europa und verkehrt in den höchsten Kreisen, was
sich in seinem Werk niederschlägt. Neben vielen autobiographischen Details
und einem mitunter derben Humor enthalten seine Lieder zahlreiche Einflüsse
aus Italien und Frankreich.«
Marc Lewon in Karfunkel
Nr. 31, 2000




»Die
Lieder Oswalds markieren einen Wandel und gleichzeitig einen Endpunkt höfischer
Adelslyrik. Die wenigsten seiner Lieder entstehen wohl im Auftrag oder für
ein größeres Publikum. [...] Losgelöst von den
Erwartungen der Adelsgesellschaft wird bei Oswald wie bei keinem anderen Liederdichter
zuvor das eigene Leben und Erleben zum Gegenstand des Dichtens. [...]
Allenthalben spürt man bei Oswald das Bedürfnis, persönliches
Erleben durch die Hinstilisierung auf übersubjektive Ordnungsmuster aus
seiner Vereinzelung und Zufälligkeit zu erlösen. [...]
... die Rückbindung persönlichen Erlebens in traditionelle
literarische Muster.
[...]
Oswalds
Lieder sind mithin weder eindeutig als neuzeitlich-individualistische ›Erlebnislyrik‹
zu klassifizieren noch als mittelalterlich-überpersönliche exemplarische
Dichtungen. Die Loslösung des Dichters von den engen Bindungen an ein
höfisches Publikum führt zu neuen, subjektiv geprägten Formen
literarischer Äußerung, die aber nicht als Hervorbringungen des
autonomen Schöpfer-Genies mißverstanden werden dürfen.
[...] Gerade dort, wo Oswald traditionelle literarische Muster aufnimmt
und verändert, wird seine eigene poetische Leistung deutlich. Wuchernde
Bildlichkeit und Metaphorik, Worthäufungen, lautmalerische Veränderungen
und Neologismen machen die Sprache selbstbedeutend als artistisches Ausdrucksmittel
und markieren so in der Tat einen einschneidenden Schritt in die neuzeitliche
Autonomie der Dichtung. [...] Oswald von Wolkenstein gehört
zu den Dichtern, deren Kunst zugleich einen Höhepunkt und ein Ende darstellt.«
Thomas Cramer 1990



»Charakteristisch
für die Technik Oswalds, Biographisches in Dichtung zu übertragen,
ist das Weglassen historisch bedeutsamer Fakten bzw. ihre Umwandlung in dichterische
Interpretationen. [...] Oswald von Wolkenstein hat seine Fähigkeiten als
Dichter und Komponist nicht nur fallweise zur Unterhaltung einer Gruppe von
Gleichgesinnten oder Erlebnisgenossen, zum Preis oder zur Schelte mächtiger
Herren genutzt, er betrachtete sie auch als geeignetes Mittel der Selbstdarstellung
und zur Sicherung seines Nachruhms. Oswald hat für die Mit- und Nachwelt
bewußt ein Bild von sich gemacht. Er hat gedichtet und gesungen, damit
er nicht vergessen werde.«
Anton Schwob 1977




»... eine Abenteuer- und Verbechernatur
von höchstem Interesse«
Samuel Singer, »Die religiöse Lyrik
des Mittelalters«, 1933

»wann
wir deiner gegenwertigkeit in disen landen zu etlichen vnsern sunderlichen geschefften
wol bedúrffen«
König Siegmund in
dem Schreiben, mit der er Oswald 1432
zu sich zitiert
(zitiert nach Hoensch)
