
»Oswald
[gilt] heute als der bedeutendste Lyriker des deutschsprachigen Mittelalters
neben Walther von der Vogelweide.«
Prof.
Dr. Ulrich Müller

»Die
heutige Beliebtheit, ja Popularität des Südtirolers erklärt
..., warum Oswald von Wolkenstein im Unterschied zu den klassischen Minnesängern
erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckt worden ist. All die Besonderheiten seiner
Liedkunst, die wir heute als Signum seiner Genialität schätzen, werteten
die romantischen Wiederererwecker deutscher Dichtung des Mittelalters als persönliches
Unvermögen des Dichters: Sprachmischung, Zertrümmerung der Syntax,
Desillusions- und Verfremdungseffekte, bewußte Stilbrechungen, Bildmontagen,
ein eigenmächtig freier, fast postmodern wirkender Umgang mit klassischen
Formen und Motiven, sodann die ungeheuren inneren Dissonanzen seines Werks,
das unvermittelte Nebeneinander von reulos genießerischer Sinnenfreude
und reuevoll verzweifelter Jenseitsfurcht, der jähe Wechsel von unstillbarem
Welterkundungsdrang zu resignierter Weltverneinung und manches andere mehr.«
Prof.
Dr. Sieglinde Hartmann für die Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft

ab
hier chronologisch: vom 21. bis ins 15. Jahrhundert
»...
das Bild einer vielseitigen Künstlerpersönlichkeit ... , welche
der deutschen Liedkunst des Spätmittelalters gänzlich neue Themen
und Liedtypen erschlossen habe.
Diese Einschätzung ist inzwischen nicht mehr umstritten. So manche der jüngsten Untersuchungen legen sogar die Schlussfolgerung
nahe, dass mit Oswald von Wolkenstein einer
der genialsten Lyriker der gesamten deutschen Literaturgeschichte
wieder entdeckt worden sei. [...]
Und das ist das ganz Neue an Oswalds Lyrik: seine neue Sprache sinnlicher
Wahrnehmung. [...]
Außer Zweifel steht ..., dass Oswald von Wolkenstein mit
seiner autobiographischen Lyrik ein neues Kapitel in der deutschen Literaturgeschichte
eröffnet hat. ... Bekanntlich bezeichnen germanistische Sprachhistoriker
den neuen Sprachstand als Frühneuhochdeutsch. Daher sind in der Sprache
Oswalds von Wolkenstein bereits fast alle neuhochdeutschen Lautverschiebungen
durchgeführt. Auch in dieser Hinsicht hat Oswalds neue Sprache sinnlicher
Wahrnehmung die Zeit der mittelhochdeutschen Klassik
definitiv hinter sich gelassen.
Einzig in ihren künstlerischen Darbietungsformen bleibt seine Sprachkunst
der Sangverslyrik klassischer Minnesänger noch eng verbunden. In dieser
Hinsicht musste und durfte sich Oswald von Wolkenstein zu Recht als die
›Nachtigall‹ seiner Zeit fühlen. Insofern trägt sein
Werk ein wahres Janusgesicht: Formal weist es zurück in die Vergangenheit
des Hochmittelalters, inhaltlich und sprachlich weist es weit voraus in
die Neuzeit.«
Sieglinde Hartmann 2005

»...
ein intensiv gelebtes Leben: Exzessiv, exzentrisch, egoistisch, widersprüchlich,
sinnlich, streitlustig, zynisch, fromm, kreativ, produktiv bis zur Triebhaftigkeit,
stolz, rechthaberisch, anlehnungsbedürftig, neugierig und angefochten.«
Jens Voskamp: »Des Minnesängers Jagd nach
dem Glück«
Kritik zur Nürnberger Uraufführung der Wolkenstein-Oper,
Nürnberger Nachrichten, 8.3.2004

»Was
für ein pralles Leben. Oswald von Wolkenstein: Im Alter von zehn Jahren
wird er Knappe eines fahrenden Ritters, durchzieht halb Europa und Kleinasien,
lässt sich in allen Tugenden und Untugenden des Kriegs handwerks
und der höfischen Künste unterweisen, reibt sich in Erbstreitigkeiten
mit seiner Familie auf, verliert ein Auge, liebt sich durch die bessere Gesellschaft
und den niederen Stand, heiratet und bekommt Nachwuchs wie am Fließband,
verstrickt sich in politische Ränkespiele und sieht die Kerker von innen,
mischt sich in die Machtkämpfe von Fürsten und Bischöfen, wird
handgreiflich gegen Repräsentanten des Klerus. Mitglied von Ordensrichtungen
und Kommissionen, Richter und Kreuzfahrer, Gründer des Elefantenbundes
Tiroler Adliger gegen den Landesherrn, Diplomat und Gesandter, Dichter, Rebell
und Raufbold – das schiere Gegenbild zum höfisch-idealistischen
Walther von der Vogelweide, der ihm als Minnesänger vorausging. 1445
stirbt Oswald mit siebzig, gelebt aber hat er dreimal so viel Jahre.«
Wolfgang Sandner:
»Müder Krieger mit sanftem Hackbrett«
Kritik zur Nürnberger Uraufführung der Wolkenstein-Oper,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.3.2004

»...
ein ungewöhnlicher Mann aus dem Tiroler Landadel, dessen erklärtes
Ziel es war, an der Schwelle zu einer neuen Epoche noch einmal ein mustergültiges
mittelalterliches Ritterleben durchzuexerzieren und dieses Vorhaben auch schriftlich
und bildlich zu dokumentieren. Von Geburt aus war er dazu nicht prädestiniert,
denn er gehörte zu den rechtlich benachteiligten ›nachgeborenen
Söhnen‹ und litt unter einem auffälligen Gebrechen: Bildlichen
und literarischen Zeugnissen zufolge muss eine häßliche Ptosis
des rechten Augenlids seine Sehfähigkeit behindert und seine Kampftüchtigkeit
beeinträchtigt haben. Er galt als Einäugiger; eine Laufbahn als
kirchlicher Würdenträger kam für ihn deswegen nicht in Frage.
Mit Willensstärke, Zähigkeit und Tüchtigkeit erreichte er schließlich
eine angesehene Stellung als Berater König Sigmunds von Luxemburg und
als Landadeliger in Tirol. Diesen Werdegang, der extreme Mobilität und
Kontaktfreudigkeit voraussetzte, hat er selbst in autobiographischen Liedern
besungen.
[...]
An diesem Lebenslauf ist nicht etwa die Rastlosigkeit des adeligen Aufsteigers
die Besonderheit, sondern vielmehr die einzigartige Möglichkeit, einer
solchen Lebensreise aufgrund von Archivalien und Liedstellen nachgehen zu
können. Dem durch Geburt benachteiligten Wolkensteiner hat seine Mobilität
offensichtlich das gebracht, was er sich wünschte: den Aufstieg zum respektierten,
vermögenden und einflußreichen Landadeligen. Die damals bekannte
Welt ›erfahren‹ zu haben, die Mächtigen in der Welt kennengelernt
zu haben, sowie Kontakte mit Persönlichkeiten in aller Welt zu pflegen,
war in der ersten Hälfte des 15. Jh.s noch ein sicheres Erfolgsrezept.«
Anton Schwob in seinem Vortrag
anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität
Pécs, 5. November 2003

»Das
Werk Oswalds von Wolkenstein ist so facettenreich wie seine Person. Als bedeutender
Adliger Südtirols und einflußreicher Politiker auf Reichsebene
reist er durch ganz Europa und verkehrt in den höchsten Kreisen, was
sich in seinem Werk niederschlägt. Neben vielen autobiographischen Details
und einem mitunter derben Humor enthalten seine Lieder zahlreiche Einflüsse
aus Italien und Frankreich.«
Marc Lewon in Karfunkel
Nr. 31, 2000

»Im
Ouvre Oswalds mischen sich vielfältige lyrische Gattungen, Themen, Stilhaltungen,
Topoi und Sprachformeln. [...] Die Lyrik des Südtiroler Adligen ist von
einer hohen formalen und sprachlichen Virtuosität gekennzeichnet. [...]
Gegenüber einer unter dem Eindruck goethezeitlicher Erlebnislyrik stehenden
Forschung, welche zahlreiche Gedichte Oswalds allzu einseitig als autobiographische
Aussagen verstand, haben jüngere Interpretationen den hohen Grad der Stilisierung
und den starken Einfluß vorgängiger literarischer Traditionen und
Gattungskonventionen in eben den ›autobiographischen‹ Texten herausgestellt,
so dass Fiktion und Realität vielfach zu einer untrennbaren Einheit verschmolzen
scheinen. [...]
Die hohe Komplexität, die formale Virtuosität
und die inhaltliche Polyvalenz im lyrischen Ouvre Oswalds bedürfen vielseitiger
Erklärung. Unter literaturgeschichtlichem Aspekt repräsentieren die
Texte des Wolkensteiners eine Spätphase höfischer Dichtung. [...]
In historischer Perspektive könnte in der Mehrdeutigkeit und Vielschichtigkeit
ein Reflex auf die wachsende Komplexisierung der spätmittelalterlichen
Lebenswelt zu sehen sein. [...] Schließlich wird man die Virtuosität
und Polyvalenz auch aus sozialgeschichtlichem Blickwinkel betrachten müssen
und als Ausweis adeliger Standeskultur und als gesellschaftliches Distinktionsmerkmal
interpretieren dürfen.«
Michael Schilling 1997 in: Ernst Fischer (Hrsg.), Hauptwerke
der österreichischen Literatur,
München 1997

»Seine
autobiographische Lyrik erscheint, historisch gesehen, wie aus dem Nichts, weil
sie ohne nennenswerte Vorstufen oder Vorläufer entstanden ist. [...] ... die ›autobiographische‹
Lyrik des deutschen Mittelalters beginnt ... erst mit Oswald von
Wolkenstein. [...] ... wesentliche Unterschiede zu neuzeitlichen
Autobiographievorstellungen ... Ein höchst subtiles eingefädeltes
Versteckspiel mit dem eigenen Ich also, das wir heute nur unter größten
Mühen entwirren können, um die Anteile, die sich auf das Autor-Ich,
das Rollen-Ich und das biographische Ich beziehen, zu unterscheiden.«
Sieglinde Hartmann 1993

»...
nach Umfang und Bedeutung eines der wichtigsten liter. und musikal. Werke zw.
MA. und Renaissance. [...] Biographisches spielt in Reiseabenteuern, Politischem
und Persönlichem wie Gefangenschaft, Erlebnissen um Geld und Frauen, Essen
und Trinken eine bedeutende, oft bizarre Rolle; die stark betonte Erotik nimmt
die Tradition spätmittelalterl. Liebesdichtung auf und führt sie zu
einem Höhepunkt an Sinnlichkeit. Die einstimmigen
Lieder sind das bedeutendste überlieferte Oevre weltlicher dt. mittelalterl.
Musik.«
Brockhaus, Band 16, 19. Auflage, Mannheim 1991

»Die
Lieder Oswalds markieren einen Wandel und gleichzeitig einen Endpunkt höfischer
Adelslyrik. Die wenigsten seiner Lieder entstehen wohl im Auftrag oder für
ein größeres Publikum. [...] Losgelöst von den
Erwartungen der Adelsgesellschaft wird bei Oswald wie bei keinem anderen Liederdichter
zuvor das eigene Leben und Erleben zum Gegenstand des Dichtens. [...]
Allenthalben spürt man bei Oswald das Bedürfnis, persönliches
Erleben durch die Hinstilisierung auf übersubjektive Ordnungsmuster aus
seiner Vereinzelung und Zufälligkeit zu erlösen. [...]
... die Rückbindung persönlichen Erlebens in traditionelle
literarische Muster.
[...]
Oswalds
Lieder sind mithin weder eindeutig als neuzeitlich-individualistische ›Erlebnislyrik‹
zu klassifizieren noch als mittelalterlich-überpersönliche exemplarische
Dichtungen. Die Loslösung des Dichters von den engen Bindungen an ein
höfisches Publikum führt zu neuen, subjektiv geprägten Formen
literarischer Äußerung, die aber nicht als Hervorbringungen des
autonomen Schöpfer-Genies mißverstanden werden dürfen.
[...] Gerade dort, wo Oswald traditionelle literarische Muster aufnimmt
und verändert, wird seine eigene poetische Leistung deutlich. Wuchernde
Bildlichkeit und Metaphorik, Worthäufungen, lautmalerische Veränderungen
und Neologismen machen die Sprache selbstbedeutend als artistisches Ausdrucksmittel
und markieren so in der Tat einen einschneidenden Schritt in die neuzeitliche
Autonomie der Dichtung. [...] Oswald von Wolkenstein gehört
zu den Dichtern, deren Kunst zugleich einen Höhepunkt und ein Ende darstellt.«
Thomas Cramer 1990

»Oswalds
... streitlustige und zur Gewalt neigende Natur, seine derbe Spottlust
... [...] Man fühlt sich an Reineke Fuchs erinnert, wenn man
... von Oswalds Machenschaften liest. [...] ... der Kampf
eines Mannes um Aufstieg in der Adelsgesellschaft seiner Zeit ... Seine
Dichtung, auf der unser Interesse an seiner Person beruht, konnte dabei nur
dienende Funktion haben. Als Sänger trug er zum Glanz und zur Unterhaltung
seines Publikums bei, gewann wohl auch Sympathie. Dies und nicht mehr konnte
er in solcher Rolle zu erreichen hoffen. [...] Mehrfach betont Oswald das Ansehen,
das er gerade durch den musikalischen Vortrag gewann. [...]
Immer wieder zeigt sich
seine Absicht, das nicht Alltägliche, das Abenteuerliche exemplarisch zu
gestalten. [...] ... das ursprüngliche Ideal: der Sänger
war in der Regel sein eigener Komponist.«
Karen Baasch und Helmut
Nürnberger 1986

»Ein
Leben für drei Leben: Fahrender Ritter und bäuerlicher Edelmann, Politiker
und Diplomat. Und Dichter, Komponist, Sänger, so virtuos und reich und
vielseitig wie kein anderer in seinem Land und seiner Zeit. Ein sperriger, ichbewußter,
fast barock-pompöser Mensch in einer zerfallenden spätmittelalterlichen
Welt. Oft äußerlich, lärmend, brutal in seinen Liedern wie in
seiner Existenz, und zugleich überempfindlich, verwundbar, von einer bis
dahin unbekannten Intensität des Fühlens. [...] Ein Renaissance-Mensch:
Kaum ein Dichter deutscher Zunge hat so bewußt und ausdauernd Ich gesagt,
so ungehemmt sich selbst, den eigenen Namen ins Werk einbezogen.«
Klaus J. Schönmetzler
1979

»Charakteristisch
für die Technik Oswalds, Biographisches in Dichtung zu übertragen,
ist das Weglassen historisch bedeutsamer Fakten bzw. ihre Umwandlung in dichterische
Interpretationen. [...] Oswald von Wolkenstein hat seine Fähigkeiten als
Dichter und Komponist nicht nur fallweise zur Unterhaltung einer Gruppe von
Gleichgesinnten oder Erlebnisgenossen, zum Preis oder zur Schelte mächtiger
Herren genutzt, er betrachtete sie auch als geeignetes Mittel der Selbstdarstellung
und zur Sicherung seines Nachruhms. Oswald hat für die Mit- und Nachwelt
bewußt ein Bild von sich gemacht. Er hat gedichtet und gesungen, damit
er nicht vergessen werde.«
Anton Schwob 1977

»Oswald
von Wolkenstein gehörte zu denen, die eher Feuer legten als Feuer löschten.«
Dieter Kühn
1977

»In
einer Zeit des Umbruchs und Übergangs baut sich seine Dichtung von urwüchsiger
Größe auf. In ihr spiegelt sich das reiche Leben eines eigenwilligen
und vitalen Adelsherren wieder, der viel in der Welt gesehen hat, der Zeuge
und Teilnehmer vieler bedeutender Ereignisse war, der jedoch stets auf die Bewahrung
und Ehrung seines Besitzes achtete und dabei auch vor Gewalt nicht zurückschreckte.
[...] ... ein Werk, das einerseits fast alle Themen, Formen und
Motive der vergangenen mittelhochdeutschen Lyrik in sich aufgenommen hat, das
gleichzeitig aber weit in die Neue Zeit vorausweist. Derbes und Zartes, Kompliziert-Raffiniertes
und Volkstümlich-Einprägsames sind hier zu einer Einheit verbunden,
die an Kraft und Vollkommenheit einzigartig dasteht.«
Johannes Heimrath und
Michael Korth 1975

»Oswald
blieb durchaus herkömmlichem Denken befangen, verfocht ordo und
Ständehierarchie ... [...] Sein ritterlich gesange war ihm eine unter vielen ständischen Fertigkeiten, kaum die erstgenannte
und wesentlichste ... [...] Er bedichtet den Augenblick und singt, um sich Dauer
zu verschaffen, gegen die Drohung des Vergessenseins. Kunst reimt sich ihm auf
Gunst, ist Mittel zum Zweck, in der Liebe wie in der Politik. [...] Renaissancelyrik
lebt in dieser vielschichtigen Gestalt und dieser Dichtung. Trotz charakteristischer
Züge wenig belangvoll als Denker, ist Oswald von Wolkenstein ein überragender
Dichter, der seine Zeit auszusprechen vermag, wenn er scheinbar nur sich selbst
dahersagt.«
Hubert Witt 1968

»Man
hat eingesehen, dass mit Schlagwörtern wie ›der letzte Minnesänger‹,
›Renaissancelyriker‹, ›Erlebnisdichter‹ oder gar ›der Hemingway seiner Zeit‹
bestenfalls einzelne Züge dieser komplexen Erscheinung bezeichnet sind.
[...] Oswald, Kind des vielgesichtigen Spätmittelalters, dichtend in einer
Zeit, in der vielfältige Literaturtraditionen bunt durcheinander lebten,
aber nur wenige Einzelwerke sich über die allgemeine Mittelmäßigkeit
erhoben, in einer Zeit, in der die alten Bindungen, Schemata, Formeln schon
frei verfügbar und beliebig umkehrbar schienen und doch noch immer die
einzige Möglichkeit der Orientierung darstellten. [...] Die Formelsprache
... hat Oswald variiert und ganz erheblich erweitert. Durch Reihung und
Häufung von Wortmaterial, durch Aufnahme von Sprachgut aus anderen literarischen
Traditionen, aus dem Dialekt und aus Fachsprachen und durch manche eigenwillige
Neubildungen ist der Ausdruck reicher und bunter geworden, oft konkreter, sinnlicher,
gesteigert manchmal ins Derbe, manchmal ins Ironische, manchmal ins Verspielte
bis an die Grenze manirierter Künstlichkeit.«
Burghart Wachinger 1964

»Die
Komplexität seiner Erscheinung gehört wesentlich zu ihm. Er hat ein
erfülltes, intensives Leben gelebt, hat alle Höhen und Tiefen, Freuden
und Qualen der Welt gekostet, hat Unrecht gelitten und Unrecht getan. Er war
ein derber Krieger und ein Dichter von unerhörtem Erfindungsreichtum, ein
Mensch von unbedingter Diesseitigkeit und mit einem Hang für das Irrationale
... [...] Oswald hat nichts von einem Klassiker an sich. Er ist der
›erste moderne Mensch‹. [...] ... der Hemingway seiner Zeit.
[...]
... es ist für Oswald nur möglich,
Gedichte zu schreiben, die echt sind, wenn er den Stoff aus eigener Anschauung
nimmt. Nur das wirklich Erlebte wird Gestalt.«
Wieland Schmied 1960
»... eine Abenteuer- und Verbechernatur
von höchstem Interesse«
Samuel Singer, »Die religiöse Lyrik
des Mittelalters«, 1933

»Wir
Sigmund, von gotes gnaden Römischer kunig ... tun kunt ... das wir angesehen
haben getrue, willige, unverdrossne und anneme dienst, die uns der veste Oswald
von Wolkenstein, unser lieber getruen, oft nutzlich getan hat, teglichen tut,
und furbaß tun sol und mag in künftigen tzyten, und haben In dorumb
tzu unserem diener und hofgesinde ufgenomen, und nemen uf in craft diß
briefs; und das Er uns dester billicher und flissiclicher gedienen möge,
so haben wir Im für sinen Jarsold drey hundert hungrischer Roter Gulden
jerlich tzugeben versprochen.«
König Siegmund bei
der Aufnahme von Oswald in sein Gefolge 1415
(zitiert nach Schwob)
»wann
wir deiner gegenwertigkeit in disen landen zu etlichen vnsern sunderlichen geschefften
wol bedúrffen«
König Siegmund in
dem Schreiben, mit der er Oswald 1432
zu sich zitiert
(zitiert nach Hoensch)
