
| politisch wichtige Menschen |
Komponisten |
| (König, 1352-1410) |
|
| (Kaiser, 1368-1437) |
und Michel Beheim |
| (Pfalzgraf, 1368-1437) |
Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger |
| (Graf von Tirol, 1382-1439) |
Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger |
| (theologischer Reformer/Reformator, »Ketzer«, um 1370-1415) |
Vorläufer Oswalds im deutschen Sprachraum |
Siegel
von |
Ruprecht I. von der Pfalz geboren
5.5.1352 Amberg
|
mit seiner Gemahlin Elisabeth im Krönungsornat |
Ruprecht als mächtiger Kurfürst leitete die Fürstenopposition im Reich, die am 20. August 1400 König Wenzel absetzte. (Wenzel, 26.2.1361-16.8.1419, war König von Böhmen seit 1563 und blieb dies bis zu seinem Tod; man warf ihm sowohl Brutalität wie auch Faulheit sowie den Mord an seinem Generalvikar Johann von Pomuk.) Am 21. August 1400 wurde Ruprecht mit den Stimmen der vier rheinischen Kurfürsten inklusive seiner eigenen in Rhens zum König gewählt (in dieser Hinsicht ein echter Vorfahr Adenauers). Die Krönung am 6. Januar 1401 musste in Köln stattfinden, da der Aachener Bischof die Wahl nicht anerkannte. Ruprecht konnte sich während seiner gesamten Regierungszeit nur in Teilen des Reiches durchsetzen. Sein Italienzug 1401/02, an dem Oswald wohl teilnahm, scheiterte bereits in Oberitalien. Er stärkte die Feme, für die seine »Rupertinischen Fragen« maßgebend wurde. Noch 1428 waren sie für Oswald wichtig genug, auf der Rückfahrt von seiner Reise, bei der er Mitglied der Feme wurde, in Heidelberg einzukehren und sich die Fragen in der Bibliothek von Kurfürst Ludwig III. anzuschauen. Ruprechts Bemühungen, die alten Königsrechte wieder zu stärken und eine direkte Reichsherrschaft auszuüben, waren nur bedingt erfolgreich. Doch hat er wichtige Anstöße für die spätere Reichsreform gegeben und den Weg offengehalten, der zum Konstanzer Konzil führte. Als Förderer geistiger Strömungen war er weitaus bedeutender und erfolgreicher als in der Ausübung politischer Macht, insgesamt war er ein schwacher Herrscher, unter dem der Zerfall der Königsmacht, der schon unter Wenzel dramatische Ausmaße angenommen hatte, weiterging.
Ruprechts
Nachfolger als König wurde Siegmund von Luxemburg;
während Ruprechts Herrschaft wurde das Reich für Jahrhunderte zum
letzten Mal vom Rheinland aus regiert.
Die Kurfürstenwürde ging an den
drittältesten seiner Söhne, Ludwig III. von der
Pfalz. Da nach Ruprechts Tod, entgegen den Bestimmungen der Goldenen Bulle,
die Kurpfalz unter dessen vier Söhnen aufgeteilt wurde, entstanden neben
der Hauptlinie der pfälzischen Wittelsbacher noch drei Seitenlinien.
Ruprechts jüngste Tochter Elisabeth
(er hatte 9 Söhne und 3 Töchter) war die erste Gemahlin von Friedrich
IV. von Österreich.
Noch heute kann man in Heidelberg Auswirkungen von Ruprechts Wirken sehen: der älteste noch erhaltene Bau im Heidelberger Schloss ist der Ruprechtsbau (siehe auch hier), und in der mittelalterlichen Heilig-Geist-Kirchein Heidelberg, mit deren Bau er begann, findet sich nur eine einzig erhaltene Grabplatte: die von König Ruprecht; in dieser Kirche liegt er auch begraben.

Siegel
von |
Siegmund
(Siegismund, Sigismund, Sigmund)
|
Nach
der Verbrennung von Johannes Hus auf dem Konzil
1415 erstarkte in Böhmen die Bewegung der Hussiten.
Unter anderem zur Bekämpfung der Ungläubigen und Ketzer hatte Siegmund
bereits 1408 den Drachenorden gegründet.
Als 1419 Siegmunds Bruder Wenzel starb,
wollte Siegmund sich dessen böhmisches Erbe sichern und unternahm mit Unterstützung
des Papstes 1420 einen vergeblichen Kreuzzug gegen die Hussiten
(an dem Oswald teilnahm),
der ihm zunächst am 28.7.1420 die Krönung zum König von Böhmen
einbrachte. 1421 aber setzte ihn ein allgemeiner Landtag wieder ab. Erst 1436
wurde er wieder anerkannt.
Siegmund
hatte als Prinz mehrere Sprachen gelernt: Deutsch, Tschechisch, Lateinisch,
Französisch, »Slavisch« (wahrscheinlich Polnisch, vielleicht
auch Kroatisch), Italienisch und Ungarisch. Er war attraktiv und lebenslustig,
galt als großer Diplomat und schlechter Feldherr und soll sich gerne verzettelt
haben: Man warf ihm vor, er sei unstet gewesen und habe zu viele Dinge gleichzeitig
betrieben. Er war wohl sehr kräftig und hatte eine hervorragende Konstitution:
Er überlebte mehrere Krankheiten, Stürze, Attentate und Vergiftungsversuche.
Ab etwa 1422 litt er schwer unter der Gicht, spätestens ab 1434 trug er
zeitweise eine Brille. Am 9. September 1437 wurde ihm eine große Zehe
amputiert, was der 69-Jährige heldenhaft ertragen haben soll. Er starb
drei Monate später wohl an arteriellen Durchblutungsstörungen, von
den Zeitgenossen »ignis sacer« (Höllenbrand) genannt.
Siegmund galt als hoch gebildet, was
wohl auch ein Anknüpfungspunkt für das Verständnis
mit Oswald gewesen sein dürfte.
Als Siegmunds größte Leistung
gilt die Wiederherstellung der Einheit der Kirche, die (Beendigung des Großen
Abendländischen Schisma, jener Kirchenspaltung, die 1378 begonnen hatte
und während der es zwei und manchmal sogar drei Päpste gab. Das
Konzil von Konstanz (1414-1418), das der (Gegen-)Papst
Johannes XXIII. 1414 auf Siegmunds Drängen hin einberief und das ja auch
in Oswalds Leben eine ganz wichtige Rolle spielte, führte zum Rücktritt
der rivalisierenden Päpste und mit der Wahl von Martin V. (Papst 1417-1431)
zum Ende des Abendländischen Schismas. Mit erstmals nach »Nationen«
differenzierten Verträgen prägte es zudem entscheidend die weitere
Entwicklung Europas.
Siegmund versuchte, wie sein Vater Karl IV., die Hausmacht der Luxemburger vor allem nach Osten zu erweitern. Doch starb das Haus der Luxemburger mit Siegmund in der männlichen Linie aus. Dennoch hat er, bei aller Macht- und Mittellosigkeit, die territoriale Gestalt Europas für die nächsten Jahrhunderte mitbestimmt und geprägt. Indem er dem Habsburger Albrecht II. (1397-1439, Herzog von Österreich als Albrecht V. ab 1404, seit 1421 Gemahl von Siegmunds Tochter Elisabeth [1409-1442]) entsprechend dem Erbvertrag von 1964 die Nachfolge als Deutscher König und König von Ungarn und Böhmen ermöglichte, legte er das Fundament für die Entstehung der Donaumonarchie.
»Auch
wenn die Geschichtsschreibung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
das ehrenvolle, freundliche Andenken der Zeitgenossen an den König und
Kaiser Sigismund in Frage stellte und ihm unter Berufung auf die Charakterschwächen
und Mißerfolge seiner Politik historische Bedeutung absprach, so sollte
nicht vergessen werden, dass dieser Meister der politischen Taktik und
einfallsreiche Pragmatiker insgesamt als Staatsmann mehr erreicht und langfristig
wirksamere Initiativen eingeleitet hat, als jeweils seine beiden Vorgänger
und Nachfolger zusammen.«
(Jörg K. Hoensch)

Ludwig
III. »der Bärtige« |
Ludwig III. »der Bärtige« von der Pfalz geboren
23.1.1378,
|
Ludwig
III. der Bärtige, dritter Sohn von König Ruprecht,
war 1401/02 als Reichsvikar (Reichsrichter) während des missglückten
Italienzuges seines Vaters quasi der Herr im Reich. Er stellte jedoch stets
eigene Ansprüche zurück und unterstützte 1410 die Thronkandidatur
von Siegmund, wofür er in den nächsten Jahren
mit vielen Privilegien und der Position eines der mächtigsten Fürsten
im Reich belohnt wurde. Bis 1414 fungierte er als Vertreter von Siegmund im
Reich. Als Reichsvikar und Protektor des Konzils von Konstanz hatte er erheblichen
Einfluss (in seinem Gefolge ist Oswald beim Einzug
in Konstanz 1417 zu sehen); Siegmund stützte sich bei der Herrschaftssicherung
stark auf die Kurpfalz.
Ludwig sorgte für die Inhaftierung des
abgesetzten Papstes Johannes XXIII., der von 1415 bis 1418 in der
Zollburg Eichelsheim nahe seiner pfälzischen Feste Mannheim gefangen gehalten
wurde. Er überwachte die Exekution des als Ketzer verurteilten Johannes
Hus. 1416 wurde er Promotor des deutsch-englischen Bündnisses. Von
da an aber entzog sich weitgehend seinen Reichsverpflichtungen und wandte sich
ab 1417 zunehmend gegen Siegmund; er wurde zum Exponenten der kurfürstlichen
Opposition.1421
war er am Feldzug gegen die Hussiten beteiligt.
In dieser Zeit war Ludwigs Bruder Otto Dorfherr zu Hemsbach, wo ich heute wohne; er baute damals die Burg Hemsbach aus. Im ehemaligen Bergfried, einziger Überrest und heute das mittelalterliche Restaurant Zehntscheuer, habe ich regelmäßig Lesungen und mittelalterliche Auftritte, ich bin dort auch schon als Oswald in Erscheinung getreten ...
1423 zog Ludwig nach Ostpreußen und vermittelte im Friedensschluss zwischen dem Deutschen Orden und Polen-Litauen. 1424 war er beteiligt am »Bingener Kurverein«, einem Bund der sechs Kurfürsten gegen den König, welcher jedoch bereits 1426 scheiterte. Oft kam es auch zu Streitigkeiten mit den drei Brüdern wegen verschachtelter Rechts- und Besitzverhältnisse.
Nach einer Pilgerfahrt nach Jerusalem 1426/27 erkrankte er schwer; so muss ihn Oswald 1428 wieder gesehen haben. Ab 1430 erblindete er immer mehr und musste seinen Bruder Otto schrittweise zum Regenten machen. Am 9.6.1435 entmachteten ihn Otto, seine eigene Frau und 25 Räte und übernahmen die Herrschaft. Begraben liegt Ludwig in der Heilig-Geist-Kirche.
Ludwig
förderte Kunst und Wissenschaft und bemühte sich um Ausbau und finanzielle
Sicherung der Heidelberger
Universität.
Schon als sich die Heilig-Geist-Kirche noch Bau befand, machte Ludwig sie zum Kernelement der Universität. Die
Lehrkräfte wurden aus Kirchenpfründen bezahlt und waren bis zur Reformation
Pfarrer an dieser Kirche. Auch diente die Kirche der Universität als Festraum
und Bibliothek: Auf den extra geräumig gestalteten Emporen wurde eine nur
Dozenten zugängliche Stiftsbibliothek eingerichtet, zu der nach dessen
Tod die Büchersammlung des Kurfürsten auf dem Heidelberger Schloss
hinzukam, woraus die berühmte »Bibliotheca
Palatina« (»Pfälzische Bibliothek«) entstand, die
kostbarste Bibliothek des deutschen Mittelalters.
(Durch die Eroberung
Heidelbergs während des Dreißigjährigen Kriegs 1622 kamen
die Bücher als Kriegsbeute der Katholischen Liga in die Bibliothek des
Vatikan, wo auch heute noch der größte Teil untergebracht ist. Nur
die deutschsprachigen Handschriften befinden sich seit Beginn des 19.
Jahrhunderts in der Heidelberger Universitätsbibliothek und liegen
inzwischen zum
Teil im Internet digitalisiert vor.)
Pfalzgraf Ludwig zählte spätestens seit 1417 zu Oswalds Freunden und Gönnern; in seinem Gefolge ist Oswald beim Einzug in Konstanz 1417 zu sehen. 1425 wurde die Freundschaft (wieder?) belebt, als Oswald statt des eigens anberaumten Reichstages in Wien den Pfalzgrafen aufsuchte. 1428 machte Oswald während seiner Reise nach Westfalen zur Aufnahme in die Feme sowohl auf dem Hin- wie auf dem Rückweg in Heidelberg Station. Er fand beste Aufnahme und wurde vom kranken Pfalzgrafen hoch geehrt.
Während
dieser Besuche 1428 (im Januar und im März/April) entstanden in Heidelberg
zwei Lieder, die Fürst und Stadt lobpreisen:
»Von Wolkenstein wollt ich zu Cölen«
(KL 41) beschreibt die Reise, »O Phalczgraf ludewig bey Reyn« (KL
86) ist ein Loblied auf den Fürsten und auf die Stadt Heidelberg.

Friedrich
IV. von Österreich,
|
Herzog Friedrich IV. mit der leeren Tasche, Votivtafel in der Basilika Wilten |
Habsburger,
jüngster Sohn des Habsburger Herzogs Leopold
III. (gefallen 1386 bei Sempach) und der mailändischen
Fürstentochter Viridis Visconti. Erhielt nach dem Tod seines Onkels Albrecht
IV. (1404) bei der Teilung der leopoldinischen
Länder 1406 Tirol und die Vorlande, die ihm 1411 nochmal von König
Siegmund bestätigt wurden.
Die Habsburger hatten 1364 unter Rudolf
IV. (1339-1365, später »der Stifter« genannt;
er hatte 1963 Tirol erworben) eine Hausordnung beschlossen, nach der die Habsburger
Lande nie geteilt werden sollten. Obwohl sie keine Kurfürsten waren, gehörten
sie doch zu den mächtigsten Fürsten des Deutschen Reiches und waren
die einzigen, die über vier Herzogtümer verfügten: Österreich,
Steiermark, Kärnten, Krain. Ebenfalls 1364 schloss Rudolf IV.
einen Erbvertrag auf Gegenseitigkeit mit dem Haus Luxemburg, aus dem später König Siegmund kam. Dieser Vertrag eröffnete 1437 den Habsburgern die Möglichkeit, in
die dynastische Nachfolge einzutreten. Die deutsche Königskrone und die
römische Kaiserwürde blieben von da an mit Ausnahme der Zeit von 1742
bis 1745 bis zum Ende des »alten Reiches«, des »Heiligen Römischen
Reiches« 1806, beim Haus Habsburg (ab 1736 Habsburg-Lothringen), der letzte
Habsburger auf einem Thron war Karl I. von Österreich, der am 11. November
1918 abdanken musste.
1379 teilten Rudolfs Söhne, die bis dahin gemeinsam regiert hatten, entgegen dem Hausvertrag die österreichischen Erblande auf: Albrecht III. (1349/50-1395) übernahm Nieder- und Oberösterreich, Steyr und das Salzkammergut und begründete damit die Albertinische Linie des Hauses Habsburg, Leopold III. (1351-1386) herrschte in Innerösterreich, der Steiermark, Kärnten, Krain, Istrien, Görz, Tirol und Vorderösterreich.
Friedrich
IV. älterer Bruder Ernst
der Eiserne (der Beiname kam wahrscheinlich erst nach seinem Tod auf) war
ab 1402 Herzog der Steiermark, ab 1411 nach dem Tode des Bruders Leopold
IV. auch in Kärnten, Krain und Friaul und Herzog von Innerösterreich.
Als er 1414 (letzter) Herzog von Kärnten wurde, bezeichnete er sich als
erster Habsburger nach außen als Erzherzog. Er hatte 9 Kinder, darunter
den späteren Kaiser
Friedrich III., ab dem die Habsburger (nach der kurzen Episode von Albrecht
II.) eine jahrhundertelange Dynastie
errichteten.
(Einzelheiten siehe Zeittafel)
Friedrich
IV. musste sich sowohl gegen Feinde im Inneren wehren, vor allem die aufmüpfigen Adligen, zu denen nicht zuletzt die Wolkensteiner gehörten, wie auch außerhalb der Landesgrenzen.
Gemeinsam mit seinem Bruder Leopold erließ
er eine Landesordnung, in der die verbrieften Rechte der Bauern bestätigt
und erweitert wurden; dies brachte viele Tiroler Adelige gegen ihn auf. Sie
schlossen sich in zwei Bünden gegen Friedrich zusammen: dem Elefantenbund
(1406) in Südtirol und dem Falkenbund im Inntal (1407); zu den Rädelsführern
gehörten auch die Wolkensteiner,
und Oswald war bei beiden Bünden Mitglied.
In dieser für ihn sehr schwierigen Situation konnte sich der Landesfürst auf die Hilfe der Tiroler Bürger und Bauern stützen, die hofften, dass ein starker Herr sie vor den Übergriffen der macht- und geldhungrigen Adeligen schützen würde.
Auf dem Konstanzer Konzil unterstützte Friedrich den zum Rücktritt gezwungenen »Gegenpapst« Johannes XXIII. und half ihm bei der Flucht; er wurde daraufhin im April 1415 von König Siegmund mit der Reichsacht belegt und vom Konzil gebannt. Friedrich unterwarf sich dem König vor dem versammelten Konzil, wurde aber trotzdem gefangen genommen.
Nun kam es zu zahlreichen Adelsaufständen innerhalb Tirols; die Tiroler Stände riefen Herzog Ernst den Eisernen zu Hilfe, der aber in Tirol eigenen Interessen verfolgte. Es gab Fehden zwischen den Anhängern der Brüder, und viele Tiroler Bürger und Bauern weigerten sich sogar, König Siegmund als Landesfürsten zu huldigen.
Ende März 1416 gelang Friedrich die Flucht aus Konstanz nach Tirol. Wegen des Verlusts seiner Gebiete und seiner angeblichen Armut nannte man ihn »Friedrich mit der leeren Tasche« (möglicherweise entstand der Beiname aber auch erst sehr viel später). Er konnte sich mit seinem Bruder Ernst einigen; der Widerstand der aufständischen Tiroler Adeligen wurde gebrochen, und am 1. Januar 1417 übernahm Friedrich wieder die Herrschaft in Tirol.
Im
August 1418 hob der König die Reichsacht auf und belehnte Friedrich erneut
mit seinen Ländern, gab ihm auch den beschlagnahmten Besitz zurück
(gegen hohe Zahlungen); die aufständischen Tiroler Adligen wurden amnestiert.
Zum Dank für die Wiedererlangung seiner Herrschaft stiftete Friedrich eine
Votivtafel, auf der er porträtgetreu abgebildet ist und die in der Basilika
von Wilten hängt (links ein Ausschnitt).
1420 verlegte Friedrich die landesfürstliche
Residenz von Meran nach Innsbruck. In der Altstadt entstand eine landesfürstliche
Burg, der sogenannte »Neuhof«, heute noch zu besichtigen als »Goldenes-Dachl-Gebäude«,
wo Friedrich bis zu seinem Tod 1439 lebte. Es kam noch mehrere Jahre zu Spannungen
mit Siegmund, die aber 1425 endgültig beigelegt wurden, nachdem Friedrich
nach dem Tode seines Bruders Herzog
Ernst 1424 die Vormundschaft über dessen Söhne Friedrich
V. (der spätere König Friedrich IV. und Kaiser Friedrich III.)
und Albrecht Vl. übernommen und so seine Machtbasis erweitert und konsolidiert hatte; zudem
hatte er die aufmüpfigen Adeligen bezwungen, nicht zuletzt, weil Siegmund
diesen zwar dauernd Hilfe versprochen hatte, aber nichts tat.
Aufgrund von großen Silberfunden erlebte
das Land unter Friedrich in der Folge einen starken Aufschwung; er galt zu seiner
Zeit als der reichste Habsburger.
Von seinen fünf Kindern (eine Tochter
aus erster, vier Kinder aus zweiter Ehe) überlebte nur ein Sohn, sein
Nachfolger Erzherzog Sigmund
der Münzreiche (mehr Informationen
1 und 2
und 3), der
lange im Streit mit Nikolaus Cusanus lag. Friedels Neffe
Friedrich (geb. 1415), Sohn von Ernst dem Eisernen, war als Friedrich
III. (auch
hier) ebenso Kaiser (1452-1493, deutscher König als Friedrich IV.
ab 1440) wie danach dessen Sohn Maximilian
I. (geb. 1459, deutscher König ab 1486, Kaiser 1493-1519).

Jan (Johannes) Huß/Huss/Husverbrannt am 6.7.1415 in Konstanz böhmischer theologischer
Reformator |
Gemälde eines Unbekannten aus dem 16. Jahrhundert |
Studium an der Universität Prag, 1396 Magister Artium, 1400 Priesterweihe, 1401 Dekan der philosophischen Fakultät, 1402 zusätzlich Prediger an der Bethlehem-Kapelle, predigte in tschechischer Sprache statt im traditionellen Latein. 1409/10 Rektor der Universität Prag
Teilte viele Ideen des englischen Reformators John Wyclif, bekämpfte besonders die Verweltlichung der Kirche und übte heftige Kritik an deren weltlichem Besitz, trat für die Autorität des Gewissens ein, betrachtete die Bibel als letzte religiöse Autorität und war der Ansicht, dass niemand außer Christus allein das wahre Oberhaupt der Kirche sei. Hus wie Wyclif glaubten an die Prädestination.
Durch Predigten wollten beide die Kirche dem Volk näherbringen, so setzte sich Hus besonders für den Gebrauch der tschechischen Sprache ein und wurde immer mehr zum Begründer einer böhmischen nationalkirchlichen Bewegung.
1408 untersagte ihm sein Bischof die Ausübung der priesterlichen Funktionen in der Diözese. 1409 erließ Alexander V. (einer der drei Gegenpäpste) eine Bulle, die Wyclifs Schriften verurteilte; dessen Bücher wurden verbrannt. Hus, der Wyclifs Lehren vertrat, wurde 1410 exkommuniziert.
Daraufhin kam es in Prag zu Unruhen und Demonstrationen, die es Hus ermöglichten, trotz eines Interdiktes von 1412 seine Predigten bis 1413 fortzusetzen. Dann musste er fliehen und versteckte sich bei adligen Freunden aufgenommen. Dort schrieb er sein Hauptwerk »De Ecclesia«, in dem er die Überzeugung vertrat, dass die Kirche eine unhierachische Versammlung von Prädestinierten sei, deren Haupt allein Christus darstelle.
1414
wurde Hus aufgefordert, sich dem Konstanzer
Konzil zu stellen, und erhielt von Königs Siegmund freies Geleit zugesichert. Er nahm an und hoffte, sich und seinen Glauben erfolgreich
verteidigen zu können. Er wurde jedoch bei seiner Ankunft festgenommen.
Er erhielt die Gelegenheit zur öffentlichen Verteidigung und lehnte es
dort ab, die Lehrautorität des Konzils anzuerkennen, da es in seinen Aussagen
nicht mit der Bibel übereinstimme, und verweigerte den Widerruf seiner
Lehren von der unhierarchischen Kirche. Er wurde verurteilt und am 6.7.1415
auf dem Scheiterhaufen verbrannt, mit ihm seine Bücher. Die Asche des Scheiterhaufens
wurde in den Rhein geschüttet.
Vor seiner Verbrennung soll Hus gesagt haben:
»Heute bratet ihr eine Gans – aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen«.
Hus heißt auf Deutsch »Gans«.
Mit diesem Wortspiel hat auch Oswald gearbeitet in seinem Hussiten-Lied »Ich hab gehört durch mangen granns« (KL. 27): »des wirt vil manig edel geviecht -von einer groben ganns ze tod geslagen« (1415 oder 1429/21). Und Oswald spricht sich ganz klar für den Feuertod aus: »gen feuerspach tüt si die federn schrenken«.
Der Ausspruch von Hus wurde später oft auf Luther gedeutet, der deshalb häufig mit einem Schwan dargestellt wurde.
Nach
der Verbrennung von Jan Hus erstarkte in Böhmen die Bewegung der Hussiten.
In der Folge kam es in Böhmen zwischen 1419 und 1436 zu den Hussitenkriegen.
Als der böhmische König
Wenzel versuchte, die Hussiten aus dem Klerus und den Stadtverwaltungen
auszuschließen, kam es zu einem Aufstand und am 30. Juli zu dem berühmten
»Prager Fenstersturz«, bei dem einige Ratsherren von Prag umgebracht
und 13 aus dem Fenster des Rathauses geworfen wurden. Nach dem Tod des Königs
1419 kam noch ein nationalistisches Element hinzu: Als König
Siegmund Anspruch auf den böhmischen Thron erhob, lehnten ihn die Hussiten,
die ihn für den Tod von Hus verantwortlich machten, ab. Papst Martin V.
erklärte 1420 einen Kreuzzug gegen die Hussiten; Siegmund marschierte mit
einem deutschen Heer in Böhmen ein und musste eine vernichtende Niederlage
einstecken; Oswald war woihl dabei.
Die Forderungen der Hussiten, die sie 1420 in
vier Prager Artikeln formulierten, waren: Freiheit der Predigt, den Laienkelch,
Armut der Geistlichen und weltliche Strafen für Todsünden.
Die Hussiten waren jedoch gespalten, und
zwar sowohl in religiösen Fragen wie auch sozial. Die gemäßigten
Utraquisten oder Kalixtiner (Kelchner, lat. calix: Kelch), die das Abendmahl
»unter beiderlei Gestalt« (lat. sub utraque specie) wollten, waren
hauptsächlich Adlige und Bürger. Die radikaleren Tabori(s)ten, benannt
nach dem Ort Tabor in Südböhmen, lehnten zudem alle Kircheneinrichtungen
ab, wollten den Reichtum verteilen und forderten die Aufrichtung des Reiches
Gottes durch das Schwert; sie waren zum größten Teil Bauern und Kleinbürger.
Beide Gruppen waren sich nur in ihrer Opposition gegen Siegmund einig; 1421
wehrten sie ihn ein weiteres Mal ab. Noch drei weitere katholische Kreuzzugsheere
wurden besiegt (1426, 1427 und 1431), ehe das Konzil
von Basel Verhandlungen mit den Hussiten einleitete,
die 1433 mit einem Kompromiss mit den Utraquisten endeten. Die Taboristen kämpften
weiter, bis sie von einem Gemeinschaftsherr aus Katholiken und utraquistischen
Adeligen 1434 in Lipany bei Prag besiegt wurden. 1435 wurde der ehemalige Hussitenführer
Jan Rokycana Erzbischof von Böhmen; er unterzeichnet 1436 die »Prager
Kompaktaten«, in denen die vier Prager Artikel weitgehend anerkannt wurden.
Die Utraquisten vereinigten sich wieder mit der Kirche, und so konnte Siegmund
1436 den böhmischen Thron besteigen.
Bereits 1437 wurden die Zugeständnisse,
die die Utraquisten errungen hatten, von der Kirche weitgehend zurückgenommen,
1462 von Papst Pius II. für nichtig erklärt. 1467 gingen aus den Utraquisten
die Böhmischen Brüder hervor, viele Hussiten schlossen sich im 16.
Jahrhunderts der Reformation an. Letzte verbleibende Reste auch der Böhmischen
Brüder lesien und Mähren nieder. Immerwährende Verfolgung durch
die katholische Kirche führte im 30-jährigen Krieg zum fast völligen
Verschwinden der Bewegung. Letzte verbleibene Reste fanden 1722 in Herrnhut
in Sachsen auf dem Landsitz des Religionsreformers Nikolaus Graf von Zinzendorf
eine Zuflucht und gingen in der Herrnhuter Brüdergemeine auf.
Ein politisch entscheidendes Ergebnis der Hussitenkriege
war die Steigerung des tschechischen Nationalbewusstseins und einer soziale
Umschichtung in Böhmen: Die Macht in den Städten ging von Deutschen,
die während der Kämpfe vertrieben wurden, auf das tschechische Bürgertum
über.

Vom
bedeutendsten Dichterkomponisten des deutschen Sprachraumes im 14. Jahrhundert
und erfolgreichsten deutschsprachigen Autor des Mittelalters sind 49 geistliche
und 57 weltliche Lieder in über 100 Handschriften überliefert und
in zahlreichen Bibliotheken zu finden, die Überlieferung der geistlichen
Lieder ist natürlich sehr viel stärker. Sein Weihnachtslied »Josef
lieber nefe mein, hilff mir wiegen mein kindelein« wird heute noch gesungen.
Der Mönch verarbeitet das gesamte Themensprektrum tradierter höfischer
Lieddichtung: Minneklage, Tagelied, Pastourelle, Fress- und Sauflieder, Geistliches
und Didaktisches... Von ihm stammt das erste überlieferte deutschsprachige
»radel«. Bei einem Radel singt jede Stimme direkt in der nächsten
Strophe weiter, so dass erst am Ende eine gemeinsame Fermate erreicht wird (Beispiel).
Es ist unklar, ob der »münch«
Hofdichter des Bischofs war oder gar der Erzbischof selbst, der Lieder von der
Liebe schlecht unter eigenem Namen veröffentlichen konnte. In einem gereimten
Minnebrief von 1392 nennt sich der Verfasser »pilgrim«, möglich
ist es also. Man weiß, dass der Mönch den Komponisten Guillaume
de Machault kannte, der einige Jahre am Prager Hof wirkte.
Oswald hat zumindest einige der Lieder des Mönchs von Salzburg gekannt.
CD-Empfehlungen:
ensemble
für frühe musik augsburg: Mönch von Salzburg. Weltliche Lieder.
Christophorus, LC 0612, 1995
Minnesang:
Die Spätzeit (4 Lieder). Christophorus
(MusiContact), CD 77271, LC 00612, 2004

Ein
Dichter, der nicht selbst komponierte: Das war damals höchst ungewöhnlich.
Er selbst erläutert in einem Lied:
»Die weysen zu den lieden
der han ich nicht gemachen,
ich will euch nicht betriegen
... die weysen hat gemachet
Burk Mangolt, unser treuer knecht.«
Der »Knecht« war wahrscheinlich
ein hoher Beamter unter Hugo von Montfort, Bürger der Stadt Bregenz.
Seine
Lieder zeigen Hugo als Moralisten; neben der Liebe besingt er hauptsächlich
religiöse Themen oder will erzieherisch wirken, oft mit einem selbstquälerischen
Zug. Noch mehr als Oswald (»Losgelöst von den Erwartungen
der Adelsgesellschaft wird bei Oswald wie
bei keinem anderen Liederdichter zuvor das
eigene Leben und Erleben zum Gegenstand des Dichtens.« Thomas
Cramer) schreibt Hugo für sich privat: »als mir do was
zu muot«; nach eigenem Bekunden sind ihm viele Gedichte im Pferdesattel,
»in welden und in owen«, eingefallen.
Also gibt es kaum Streuüberlieferungen,
noch weniger als bei Oswald. Und (deshalb?) ließ der Graf wie Oswald seine
Lieder in einer Prachthandschrift sammeln, die heute in der Universitätsbibliothek
Heidelberg aufbewahrt wird: 38 Gedichte auf sehr hellem, kräftigem Pergament
mit reicher Ornamentik mit verschiedenen Blattgoldtechniken (Ausgaben).
Der Künstler, der den Buchschmuck dieser Handschrift wohl nach 1414 geschaffen
hat, war Heinrich Aurhaym, wahrscheinlich ein Laie und professioneller Buchmaler.
Sechs der Gedichte sind zwischen 1396 und 1414 datiert.
Oswald
und Hugo kannten sich vermutlich, zumindest war Hugo auch längere Zeit
beim Konstanzer Konzil.
CD-Einspielungen
Early
Music Freiburg: Tempus Fugit, 2003 (1 Lied: Fro Welt Ir Sint gar Hüpsch
und schön)
Hermann
Prey: Lied-Edition Vol. 1 – Vom Minnegesang bis zu Beethoven und Löwe,
1994 (1 Lied: Wächterlied)
Jacopo
(Jacobus) da Bologna
Mitte des 14. Jahrhunderts, wirkte ab etwa 1340
in Verona, ab 1345 in Mailand,
früher Komponist der Ars nova, erhalten
sind u. a. 31 zwei- und dreistimmige Madrigale
Philippe
de Vitry
1291-1361, ab 1351 Bischof von Meaux
französischer Komponist und Musiktheoretiker:
Traktat »Ars nova« (um 1320)
Guillaume
de Machault/Machaut
um 1300 bis 1377
französischer Komponist und Dichter, Sekretär
des Königs Johann von Böhmen, lebte einige Jahre in Prag, ab 1340
Kanoniker in Reims
wichtigster Repräsentant der französischen
Ars nova
142 Kompositionen überliefert, darunter
zahlreiche mehrstimmige weltliche und geistliche Werke,
trug maßgeblich zur Etablierung des Rondeaus,
der Ballade und des Virelai bei,
kannte den Mönch
von Salzburg
Seine vierstimmige Messe de Notre Dame, die
wahrscheinlich 1364 zur Krönung Karls V. in Reims aufgeführt wurde,
ist der früheste bekannte, vollkommen polyphone Messesatz eines einzelnen
Komponisten.
Suchensinn
Autorenpseudonym eines nicht adeligen, fahrenden
Berufsdichters, belegt 1390 und 1392 am Hof des bayerischen Herzoghofes.
Überlieferte sind 23 Lieder und ein Reimpaargedicht;
formal traditioneller Minnesang mit moralisch-belehrendem Inhalt
Hermann
von Sachsenheim
1366/69-1458, Jurist, Rat beim Württemberger
Grafen
7 überlieferte Schriften: drei »Minnereden«
(»Der Spiegel«, ca. 1452, »Die Mörin, 1453«, »Das
Schleiertüchlein«), die Minneallegorei »Die Unminne«
und zwei religiöse Werke (Der goldene Tempel«, 1455, »Jesus
der Arzt«)
Eberhard
von Cersne
um 1380 bis nach 1408, Kanonikus in Minden
»Der Minne Regel«, traditionsbehaftetes
minnedidaktisches Traktat, außerdem rund 20
überlieferte Lieder
John
Dunstable
um 1385-1453, canonicus und musicus
in herrschaftlichen Diensten,
schrieb vorwiegend geistliche Musik für
drei bis vier Stimmen,
war durch viele Reisen mit seinen Herren mit
der französischen und italienischen Musik vertraut,
Erfinder der »Contenance angloise«,
betonte die Parallelbewegung in Terzen und Sexten
Guillaume
Dufay
um 1400-1474, Priester
wirkte an den fürstlichen Höfen zu
Rimini, Pesaro und in Savoyen, Mitglied der päpstlichen Kapelle
niederländischer Komponist, einer der ersten
Meister des Kontrapunktes, komponierte Messen, Motetten und französische
Chansons
Gilles
Binchois
um 1400-1460
einer der führenden niederländisch-burgundischen
Meister seiner Zeit
Hans
Heselloher
Geburtsjahr unbekannt, gestorben zwischen 1483
und 1486
ab 1451 belegt, ab 1453 Pfleger in Pähl,
ab 1465 Stadt- und Landrichter in Weilheim
»letzter namentlich identifizierbarer
Adelslyriker des ausgehenden Mittelalters« (Cramer)
Verfasser zahlreicher Lieder im Neidhart-Stil,
4 überliefert
Johannes
Ockeghem
um 1420-1496, frankoflämischer Komponist,
der wichtigste Komponist der Niederländischen
Schule,
Komponist und Kapellmeister bei den französischen
Königen Karl VII., Ludwig IX. und Karl VIII;
Meister des Kontrapunktes; eine seiner 14 erhaltenen
Messen, die Missa Prolationum, besteht gänzlich aus Kanons; eine Motette
für angeblich 36(!) Stimmen ging verloren
Josquin
Desprez, des Prez, Després, des Prés
um 1440-1521
franko-flämischer Komponist, einer der
Hauptmeister der Niederländischen Schule, wirkte längere Zeit in Italien

Im
14. Jahrhundert, dem »Trecento«, kommt es in Italien mit der Emanzipation
von der lateinischen Sprache zur Schaffung einer neuen Sprachidentität.
Ergebnis ist eine kulturelle und künstlerische Blüte auf höchstem
Niveau, mit der aus späterer Sicht die Renaissance eingeläutet wird
– noch ehe Oswald als spätmittelalterlicher geboren wird!
Und wer kennt sie nicht, die großen Meister jener Epoche:
Francesco
Petrarca
1304-1374, beeinflusste inhaltlich wie formal
die gesamte Lyrik des 15. und 16. Jahrhunderts,
1341 in Rom auf dem Kapitol zum Dichter gekrönt,
gilt als der eigentliche Begründer des Humanismus
Giovanni
Boccaccio
1313-1375, »Decamerone« (entstanden
nach 1348, Erstdruck 1470, deutsch ca. 1471)
Geoffrey
Chaucer
1340-1400
englischer Dichter, Diplomat und Staatsbeamter,
»Canterbury Tales« (1387-1400, Erstdruck um 1478, deutsch 1827)
Johannes
von Tepl
1342/50-um 1414
tschechicher Dichter; Studium in Prag,
vielleicht auch in Bologna, Padua oder Paris, in Saaz als notarius civitatis
und später als rector scholarium tätig, ab 1411 Pronotar in Prag
»Der Ackerman« (1401).
Eustache
Deschamps
um 1340 bis um 1406
französischer Dichter, Verfasser von Balladen
und kleineren Dichtungen;
schrieb den frauen- und ehefeindlichen »Ehespiegel«
und die erste französische Dichtungslehre
Muskatblüt,
Muskatplüt
um 1380 bis nach 1438
süddeutscher Fahrender, Meistersinger,
verfasste Minne- und Marienlieder, didaktische und politische Gedichte
Heinrich
Wittenwiler
vor 1387 bis nach 1410
schweizerischer Dichter, entstammt wohl einer
alten Adelsfamilie aus dem Toggenburg in der Schweiz; wahrscheinlich identisch
mit »Hainricus de Wittenwil advocatus curie« am Konstanzer Bischofshof
(zwischen 1387 und 1395 fünfmal urkundlich erwähnt).
Hauptwerk: »Der Ring«, entstanden
um 1400 oder 1408/10, ein grotesk komisches, satirisches Epos, das Bauern und
Ritter verspottet und als bedeutendsten Versepos des Spätmittelalters gilt.
Nikolaus
von Kues, Nicolaus Cusanus
1401-1464, 1448 Kardinal, 1450 Fürstbischof
von Brixen, ab 1458 Generalvikar des Kirchenstaates in Rom.
Philosoph und Kirchenpolitiker, Gelehrter,
entlarvte 1433 die Konstantinische Schenkung als Fälschung: Ein Schriftstück
belegte, dass die Gebiete des Inn-, Eisack- und Pustertales von Konrad II. im
11. Jahrhundert an die Bischöfe von Brixen und Trient nur verliehen, nicht
geschenkt worden war. Dies bedeutete, dass die Tiroler Fürsten nur Lehensträger
der Bischöfe waren und Tirol ihnen nicht gehörte. Deshalb lag Kues
lebenslang im Streit mit Herzog Sigmund
der Münzreiche, der sogar gewalttätig
wurde. Nachdem er maßgeblich das Wiener Konkordat ausgehandelt hatte,
wurde er 1448 von Papst Nikolaus V. zum Kardinal
ernannt und 1450 Bischof von Brixen als vom Papst eingesetzter Gegenbischof
gegen den Kanzler von Herzog Sigmund
von Tirol. Nach lang anhaltenden Auseinandersetzungen
musste Kues fliehen und wurde 1458 Generalvikar des Kirchenstaates in Romm behielt
aber seine Stellung als Bischof von Brixen bis zu seinem Tod. In die Streitigkeiten
um Ämterbesetzungen war auch stark die Familie Wolkenstein als Gegner von
Cusanus verwickelt; Oswalds Tochter Maria von Wolkenstein war obendrein eine
starke Opponentin gegen Kues' Reformbemühungen ab 1455.
Cusanus steht am Übergang vom Mittelalter
zur Neuzeit: Er kommt in Abkehr vom Aristotelismus zur Vorwegnahme moderner
physikalischer Vorstellungen, entwickelt die Lehre von der »coincidentia
oppositorum« (»Zusammenfall der Gegensätze«) in Gott,
wobei es aber keine Erkenntnis Gottes, sondern nur ein Begreifen unseres Nichtbegreifens
geben kann (docta ignorantia).

Die berühmte Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse), in der die meisten Minnesänger vorgestellt sind, liegt komplett digitalisiert im Internet vor.
Zwei Minnesänger will ich hier vorstellen, weil Oswald ziemlich sicher Lieder von beiden kannte.
Der um die Mitte des 12. Jahrhunderts entstandene »Minnesang«, die mittelhochdeutsche Liebeslyrik, zunächst ungekünstelte Erlebnislyrik (mit Langzeilen über das wechselseitige Liebessehnen von Frau und Mann) war schon bald abgelöst worden von einem ästhetischem Spiel mit festem poetischem Formelschatz. In dieser Rollenlyrik stand der höfische Frauendienst im Mittelpunkt, die »hohe Minne«, bei der sich die Liebenden nicht mehr als Gleichberechtigte begegnen, sondern die Frau zum unerreichbaren Ideal, zur Herrin (»Frouwe«) stilisiert wird. Doch die Ehrfurcht vor der Frau ist nur oberflächlich; der Mann ist wichtig, denn ihn läutert die Minne als Dienst, die Bewährung durch »triuwe« und »stæete«, auch wenn Treue und Beständigkeit nicht zum Ziel führen.
Lange hielt diese stilisierte »Hochzeit« des Minnesangs nicht an: Bereits der »fahrende Berufsdichter« Walther von der Vogelweide beendete die Hochstilisierung der Frau, lobte die nichtadlige Frau als Partnerin und trat vehement für das Ideal der »herzeliebe« ein, die Idee einer gegenseitigen, gleichberechtigten Liebe. Der damals üblichen Trennung zwischen hoher Minne (der noble Dienst an der Herrin) und niederer Minne (das Befriedigen des Triebes, in der Regel bei Untergebenen, etwa einer Magd) setzt Walther den »dritten Weg« der »ebenen Minne« entgegen.
Walther von der Vogelweide wurde vermutlich in Tirol geboren – wie Oswald. Am Wiener Hof war er Schüler von Reinmar von Hagenau, dem berühmtesten Minnesänger seiner Zeit, später »Reinmar der Alte« genannt. Nach Auseinandersetzungen mit diesem, der auch Hofdichter war, musste er Wien verlassen und zog von da an durch die Lande, von Hof zu Hof. Als »aus dem niederen Dienstadel stammender Habenichts, der sich nach Integration und Seßhaftigkeit sehnte« war er »lediglich ein >cantor<, der als Fahrender weltlichen wie geistlichen Herren seine Aufwartung machte.« (Salmen)
Schließlich fand er eine endgültige Stellung um 1214 am Hof Friedrichs II., sein Herzenswunsch nach einer sicheren Heimstatt erfüllte sich, als er um 1220 auf einem ihm vom Kaiser geschenkten Lehen in oder bei Würzburg sesshaft wurde; angeblich ist er im Kreuzgang des Würzburger Münsters bestattet.
Als Parteigänger König Philipps von Schwaben, nach dessen Tod Ottos IV. und Friedrichs II. stand Walter zwar meistens auf seiten der Reichsgewalt, wurde aber als »fahrender Sänger« oft von verschiedenen Fürsten protegiert und musste seine Lieder danach ausrichten, in wessen Diensten er gerade stand. Daher ist er politisch oft nicht deutlich zuzuordnen, hat er doch mal diesem, mal jenem Herrn nach dem Mund geschrieben.
Zu Walthers 140 Sangspruchstrophen und etwa 72 mehrstrophigen Liedern sind lediglich drei Melodien (in späteren Handschriften) erhalten, darunter »Nu alerst lebe ich mir werde«, das berühmte Palästinalied. Aber es sind über 500 Strophen in mehr als 20 Handschriften vom 13. bis 16. Jahrhundert überliefert. Denn Walther von der Vogelweide ist nicht nur heute der berühmteste Minnesänger – seine Gedichte gelten als Höhepunkt der mittelhochdeutschen Lyrik – auch im Mittelalter wurde er sehr geschätzt, wie bereits Gottfried von Straßburg bezeugte, der ihn an die Spitze zeitgenössischer Lyriker stellte. Man kann also davon ausgehen, dass Oswald Walthers Lyrik kannte.
Hatte sich Walther schon von den Ritualen der »Hohen Minne« abgewandt, so führte ein anderer dies fort bis zur Parodierung und Persiflierung: Neidhart von Reuental, von dem uns zwar etwa 140 Lieder überliefert sind (rund 1500 Strophen mit 56 Melodien), über den wir aber kaum etwas wissen. Ist sein Beiname eine Herkunfts- oder Adelsbezeichnung, oder steht er für »Jammertal«? Nahm er wirklich am Kreuzzug 1217 bis 1221 teil, oder doch eher an dem 1228/29?
Neidharts Einfluß und Nachwirkung in der Musik wie auch in anderen Gattungen waren auf jeden Fall enorm: Der Erfinder der »dörperlichen (dörflerichen) Dichtung«, in der in seinen Sommer- und Winterliedern das Modell des höfischen Minesangs in eine bäuerliche Umgebung transportiert und so parodiert, war u. a. Vorbild und prägende Figur für die Schwanksammlung »Neidhart Fuchs« (15./16. Jhdt.) wie auch die Neidhartspiele des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, bei denen Neidhart von den Bauern verspottet wird – vom St. Pauler Neidhartspiel um 1350 bis zum »Neidhart« des Hans Sachs (1557). Eine Tiroler Fassung aus Oswalds Zeit hat 68 Sprechrollen.
Neidhart von Reuental wurde wahrscheinlich im Salzburgischen oder angrenzenden Bayrischen geboren und dichtete etwa zwischen 1210 und 1240. Ab etwa 1230/31 finden wir ihn am Hof von Herzog Friedrich II. von Österreich. Von den bereits erwähnten 140 Liedern stammen allerdings sicher nicht alle von ihm. Noch mehr als 100 Jahre nach seinem Tod war es üblich, Lieder unter seinem Namen zu veröffentlichen.
Dies zeigt seine Bekanntheit; sein Name war ein »Gütesiegel«. Schon 1215 muss er bekannt gewesen sein, denn Wolfram von Eschenbach erwähnt ihn in seinem damals entstandenen »Willehalm«. Neidhart war der erfolgreichste deutschsprachige Lieddichter des Mittelalters. Manche sprechen diesen Ehrentitel aber einen anderem, späteren Minnesänger zu: Frauenlob (Heinrich von Meißen, 1250/1260 -1318), der »letzte Minnesänger« gilt (anders als bei Oswald mit Recht) und in Mainz um 1315 die erste Meistersingerschule gegründet haben soll. Auch unter seinem Namen sind zahlreiche Strophen überliefert, die nicht von ihm stammen, und er hatte erheblichen Einfluss auf Autoren des 14. und 15. Jahrhunderts.
Dennoch weiß man wenig über ihn. Selbst die Beziehung zu einem (kleinen) Gut Reuental ist so unsicher, dass man heute oft auf den Beinamen verzichtet. Und ob er zwischen 1217 und 1221 oder (wahrscheinlicher) 1228/29 an einem Kreuzzug teilnahm, bleibt ebenso offen, wie ob es ein Geschlecht Reuetal gab oder er sich nur im Jammertal, eben dem Reuental, wähnte, ging es ihm doch nach eigenen Angaben oft noch viel schlechter als Walther, zu dem er sich durchaus in Konkurrenz sah.
Inzwischen hält man von den 56 Liedern mit Notation nur noch gut 20 für »echte« Neidharts; manche sprechen bei den anderen von »Pseudo-Neidharts«. Doch ist diese Trennung umstritten, da die Lieder sowieso erst nach langer mündlicher Überlieferung aufgezeichnet wurden.
