Oswald von Wolkenstein: Zur Startseite
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Ich – Oswald? Was soll das?

Seit über 20 Jahren mache ich Mittelaltermusik, seit 1995 mit meiner Mittelaltertruppe Conventus Tandaradey. Von Anfang an hat mich die Musik von Oswald von Wolkenstein fasziniert, und ich nahm einige seiner Lieder ins Programm auf. Wenn ich alleine, als Einzelbarde, auftrete, nehme ich seit Jahren manchmal seine Identität an (einige Bilder hierzu).

Inzwischen hat sich dies ausgeweitet, so »war« ich von 2006 bis 2011 regelmäßig Oswald bei Führungen im Heidelberger Schloss, wo er ja mehrfach weilte, und in der Altstadt von Heidelberg; inzwischen können solche Führungen nur noch direkt gebucht werden, beim ServiceCenter Heidelberger Schloss, der Spielfrau Susanna oder bei mir direkt.
Bilder von Führungen und AuftrittenVideosHandzettel (jpg) – Handzettel (pdf) – Pressebericht

»... Wolkenstein-Lieder etwa lebendig durch ... den ›Barden‹ Friedhelm Schneidewind, der, als Oswald gewandet, im Heidelberger Schloss auftritt und die Lieder ›wie sie zu Oswalds Zeit geklungen haben könnten‹ vorträgt.«
(Johannes Spicker in seinem Buch »Oswald von Wolkenstein. Die Lieder«, Berlin: Erich Schmidt 2007, S. 30)

2013 durfte ich als Oswald singen in dem Film »Margarete von Schwangau – Leben, Liebe und Leid einer außergewöhnlichen Burgfrau« von Elisabeth Wintergerst: meine Übertragung von »Ein gut geborener Edelmann«.
Diese Übertragung ist zu hören mit CONVENTUS TANDARADEY im 2014 erschienenen Film »Margarete von Schwangau – Leben, Liebe und Leid einer außergewöhnlichen Burgfrau« von Elisabeth Wintergerst

Zur Seite zum Film »Margarete von Schwangau«
Tonaufnahme in Netz-Qualität (MP3, 9:55 Min., 4 MB)

Musikalisch versuche ich Oswald möglichst so interpretieren, wie es zu seiner Zeit geklungen haben könnte. Neben dem, was ich  in der Literatur dazu finde und auf LP- bzw. CD-Booklets, halte ich mich an die Ausführungen von Dieter Kühn zur Aufführungspraxis. In gewisser Hinsicht stimmt natürlich, was der Komponist und Dirigent Hans Zender einmal in einem Interview sagte:

»Jede Interpretation ist eine Bearbeitung, ob man es will oder nicht. Schon wenn ich mich als Dirigent für ein Tempo entscheide, kann ich das nur rechtfertigen, indem ich sage: Ich höre das Stück so. Nur den meisten Interpreten ist das nicht bewusst, die haben irgendwelche Ideen von historischen Rekonstruktionen. – Was aber sind die Kriterien für eine gültige Interpretation? – Dass der Interpretierende sich hundertprozentig identifiziert mit einem Werk, das er tief liebt. Das ist die einzige Rechtfertigung. Die Entscheidung ist völlig subjektiv.«

Aber es gilt natürlich auch, dass genügend Wissen nötig und hilfreich ist, das gilt für alle Arten von Musik, wie etwa der bekannte Pianist Rudolf Buchbinder erläutert:

»Am liebsten vergleiche ich das mit dem Bau eines Hauses. Das Fundament muss solide sein, dann kann man darauf etwas Sinnvolles errichten. Für mich heißt das: Ich versuche, als Künstler so viel wie möglich zu wissen über das, was ich spiele. [...] ... ich gewinne an Freiheit. Je mehr ich weiß, desto größer ist meine Sicherheit, dass ich keinen Unsinn mache.« (Rudolf Buchbinder in: Frankfurter Rundschau, 19. Mai 2007)

Vor allem orientiere ich mich in dieser Hinsicht an Marc Lewon, bei dem ich viel über mittelalterliche Musik und ihre Aufführung gelernt habe:

»Die Forschung gibt mir überhaupt erst die Möglichkeit, mich künstlerisch frei zu bewegen, weil ich eine tiefe Kenntnis der Stile habe, in denen ich mich bewege, weil ich festen Grund spüren, von dem aus ich ›springen‹ kann.«
(in: Karfunkel 95, August 2011, S. 125)

In diesem Sinne versuche ich Oswalds Musik gerecht zu werden.

Da die Menschen zu Oswalds Zeit diese Lieder in der Regel verstanden (wenn er nicht wieder mal seine Fremdsprachenkenntnisse aufblitzen ließ), halte ich es für sinnvoll, dass auch mein Publikum heute die Texte versteht. Ich biete keine akademische Aufführung, sondern möchte, dass die Zuhörenden und Zuschauenden sich wie in der Zeit fühlen, möchte ihnen die Atmosphäre und das Lebensgefühl rüberbringen. Deshalb habe ich die meisten mittelalterlichen Lieder, die ich singe, in modernes Deutsch übertragen. Dabei habe ich mich bemüht, dem Sinn so nahe wie möglich zu kommen und trotzdem die Reimstruktur wie im Original zu erhalten. Die Reaktionen des Publikums zeigen mir, dass dies gerne angenommen wird. Und ich fühle mich darin bestätigt durch das, was der Minnesang-Spezialist Dr. Lothar Jahn in einer Buchkritik schreibt:

»... Nachdichtung mittelalterlicher Texte, d. h. einer Übertragung des Inhalts ins moderne Deutsch bei Beibehaltung von Versmaß, Reim und Strophenbau. Dies ist eine ganz schwierige Angelegenheit: Der ›Übersetzer‹ muss selbst ein Dichter sein, sonst wirkt das ganze ungewollt komisch. Selbst auf der Höhe aller stilistischen Mittel und sprachlichen Feinheiten entsteht eine Interpretation des eigentlichen Werkes, kein Abbild. Trotzdem – und das ist das Paradoxe – ist der Vortrag in einer gelungenen Nachdichtung ja ›authentischer‹ als ein Vortrag in Originalsprache, die uns oft mehr durch ihren fremdartigen ›Sound‹ bezaubert als durch den Inhalt: Schließlich haben die damaligen Zuhörer auch ihre Alltagssprache gehört, so konnte die Aussage direkt in Herz und Hirn gehen und Text-Musik-Bezüge sich spontan entfalten. Dies ist besonders bei Oswald ein Plus, denn der Mann hat nicht nur etwas zu singen und zu sagen, sondern bedient sich dabei auch raffinierter stilistisch-sprachlicher Mittel, die fast schon modern zu nennen sind – bis hin zu eigenen Wortschöpfungen, der Mischung verschiedener Sprachen und Dialekte und Überlagerungen mehrerer Texte, wobei wieder etwas Neues entsteht. Ganz zu schweigen vom direkten Zugriff auf Alltagsmissgeschicke und Erotik.«
(Buchkritik zu »Wie eine Feder leicht. Oswald von Wolkenstein – Lieder und Nachdichtungen« von Hans Moser, Innsbruck 2012)

Folgende Lieder gehören zu meinem Programm: Es fügt sich (»Lebensballade«, 1416) · Durch Abenteuer (Reiselied, 1427) · O Pfalzgraf Ludewig am Rhein (Loblied auf den Fürsten und die Stadt Heidelberg, 1428) · Ein gut geborener Edelmann (dreistimmig, entstanden um 1408) · Mein Herz, das ist versehrt (Liebesklage, 1410/11) · Weiss, rot und braun (Liebeslied, vor 1408) · Die minne füget niemand (Liebeslied, 1415) · Mit günstlichem Herzen (Liebeslied, 1418) · Nu rue mit sorgen (Tagelied, vor 1408) · Wach auf, mein Hort (Tagelied, vor 1408) · Herr Wirt (Sauflied, dreistimmiger Kanon, vor 1408) · Wohlauf, wir wollen schlafen (Sauflied, 1428) · Ich spür ein Tier (»Weltabsage«, 1422)

Faszinierend finde ich, dass die Zehntscheuer in meinem Wohnort Hemsbach das Überbleibsel, nämlich der Bergfried einer Burg aus Oswalds Zeit ist, die in ihrer Endstufe ausgebaut wurde von Otto I., zu Oswalds Zeiten Dorfherr zu Hemsbach und Bruder von Ludwig III., dem Freund Oswalds (Chronik). Ich wohne ziemlich am Rande der damaligen Burg und bin in der Zehntscheuer öfter als Oswald in Erscheinung getreten.

Konzert, 30.  Mai 2015, Tolkientag GeldernKonzert, 30.  Mai 2015, Tolkientag Geldern

gotische Harfe – die letzte aus der Werkstatt von Winni Goerge* – beim Konzert MITTELALTER UND MITTELERDE am 30. Mai 2015 in Geldern
*21.06.1936 – 21.04.2016

Launch-Event, Stiftung Lobdengau-Museum

Renaissance-Drehleier von Kurt Reichmann beim Launch-Event der Stiftung Lobdengau-Museum in Ladenburg, 11.06.2014
(Der Link führt zu mehr Bildern von dieser Veranstaltung.)

Instrumente von Friedhelm Schneidewind –

Susanna und Oswald 2010

Friedhelm Schneidewind als Oswald mit der Spielfrau Susanna

Die Führung mit Oswald in Heidelberg
Minne, Musica und Meistersang am Hofe zu Heidelberg 1428
»Von Spielweibern und Dichtermusikern«

kann als Sonderführung gebucht werden über das ServiceCenter Heidelberger Schloss
Tel. 06221 655716 + 538431 · Fax 06221 655717 + 538430
info@service-center-schloss-heidelberg.com

Bilder von Führungen und AuftrittenVideos Handzettel (jpg) – Handzettel (pdf) – Pressebericht

Oswald von Wolkenstein trifft auf das Spielweib Susanna, das hier als Hofmusikantin lebt. Sie führt durch das Schloss, und Oswald erzählt mancherlei aus seinem Leben, stellt die Instrumente und Musik seiner Zeit vor, singt einige seiner Lieder – und beide lassen das Publikum tanzen. Reisen Sie in das Jahr 1428! Ludwig der »Bart« beschäftigt als erster Kurfürst eine feste Hofkapelle. Musik ist inzwischen zum unabdingbaren Bestandteil höfischer Selbstdarstellung geworden. Doch was sind die Unterschiede zwischen Hofmusicus, Joculator, Histrio, Spilman und adeligem Dichterkomponisten? Wie steht es um ihre gesellschaftliche Anerkennung? Wie feiert man bei Hofe, wie unten in der Stadt und was sagt die Kirche zu all dem? Gehen Sie auf eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit der Musik mit Kostproben mittelalterlicher Klänge und Lieder – gespielt auf authentischem Instrumentarium.

Schauspielführung in historischer Gewandung. Auch in englischer Sprache buchbar.

»... gleichermaßen kurzweiligen wie informativen Ausflug ins Heidelberger Schloss des 15. Jahrhunderts ... bot Susanna, das Spielweib ... [...] Ein Glück, dass der Minnesänger Oswald von Wolkenstein ... zugegen war und einige Stücke zum besten gab. Zum guten Schluss verfeinerten die Teilnehmer aber noch ihre Umgangsformen und ihre Kenntnisse der höfischen Tänze des 15. Jahrhunderts ...«
Dr. Christoph Bühler, »Nachrichten & Notizen aus der Landeskunde« (landeskunde-online), Dez. 2008, zur Führung auf dem Heidelberger Schloss am 28.12.2008 (der komplette Bericht)

Öffentliche Führungen in Heidelberg mit Friedhelm Schneidewind als Oswald:
19.02.06 · 17.12.06 · 11.03.07 · 16.12.07 · 16.03.08 · 06.07.08 · 31.08.08 · 28.12.08 · 16.03.09 · 02.05.09 · 13.12.09 · 28.02.10 · 31.03.10 · 06.06.10 · 19.12.10 · 06.11.11 · 04.12.11

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