
Ich – Oswald? Was soll das?
Seit über 20 Jahren mache ich Mittelaltermusik, seit 1995 mit meiner Mittelaltertruppe Conventus Tandaradey. Von Anfang an hat mich die Musik von Oswald von Wolkenstein fasziniert, und ich nahm einige seiner Lieder ins Programm auf. Wenn ich alleine, als Einzelbarde, auftrete, nehme ich seit Jahren manchmal seine Identität an (einige Bilder hierzu).
Inzwischen hat sich dies ausgeweitet, so »bin« ich Oswald regelmäßig bei Führungen im Heidelberger Schloss, wo er ja mehrfach weilte, und in der Altstadt von Heidelberg.
NÄCHSTE ÖFFENTLICHE FÜHRUNG mit der Spielfrau Susanna und Oswald im Heidelberger Schloss
Foto: Mike Niederauer (hochauflösende Version für die Presse)
19.12.2010, Sonntag, 14.30 bis 16.00 Uhr
Minne,
Musica und Meistersang am Hofe zu Heidelberg 1425
»Von Spielweibern und Dichtermusikern«
– Bilder von Führungen und Auftritten – Handzettel (jpg, 122 KB) – Handzettel (pdf, 304 KB) – Pressebericht vom Dezember 2008 –
Oswald von Wolkenstein trifft auf das Spielweib Susanna, das hier als Hofmusikantin lebt. Sie führt durch das Schloss, und Oswald erzählt mancherlei aus seinem Leben, stellt die Instrumente und Musik seiner Zeit vor, singt einige seiner Lieder – und beide lassen das Publikum tanzen!
»... gleichermaßen kurzweiligen wie informativen Ausflug ins Heidelberger Schloss des 15. Jahrhunderts ... bot Susanna, das Spielweib ... [...] Ein Glück, dass der Minnesänger Oswald von Wolkenstein ... zugegen war und einige Stücke zum besten gab. Zum guten Schluss verfeinerten die Teilnehmer aber noch ihre Umgangsformen und ihre Kenntnisse der höfischen Tänze des 15. Jahrhunderts ...«
Dr. Christoph Bühler, »Nachrichten & Notizen aus der Landeskunde« (landeskunde-online), Dez. 2008, zur Führung auf dem Heidelberger Schloss am 28.12.2008 (der komplette Bericht)
Frühere öffentliche Führungen in Heidelberg: 19.02.06 · 17.12.06 · 11.03.07 · 16.12.07 · 16.03.08 · 06.07.08 · 31.08.08 · 28.12.08 · 16.03.09 · 02.05.09 · 13.12.09 · 28.02.10 · 31.03.10 · 06.06.10
Anmeldung
erforderlich: ServiceCenter Heidelberger Schloss
Tel. 06221 655716 + 538431 · Fax 06221 655717 + 538430
info@service-center-schloss-heidelberg.com
Auch Sonderführungen sind buchbar über das ServiceCenter
Heidelberger Schloss
Karten: 12
Euro/ermäßigt 6 Euro
Faszinierend finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Zehntscheuer in meinem Wohnort Hemsbach das Überbleibsel, nämlich der Bergfried einer Burg aus Oswalds Zeit ist, die in ihrer Endstufe ausgebaut wurde von Otto I., zu Oswalds Zeiten Dorfherr zu Hemsbach und Bruder von Ludwig III., dem Freund Oswalds (Lage, Chronik). Ich wohne ziemlich am Rande der damaligen Burg und bin in der Zehntscheuer öfter als Oswald in Erscheinung getreten.
Musikalisch
versuche ich Oswald möglichst so interpretieren, wie es zu seiner Zeit
geklungen haben könnte. Neben dem, was ich in der Literatur dazu
finde und auf LP- bzw. CD-Booklets, halte ich mich besonders an die Ausführungen
von Dieter Kühn zur Aufführungspraxis. Vor allem aber habe ich
zu meinem Motto gemacht, was der Komponist und Dirigent Hans Zender einmal in
einem Interview sagte:
»Jede Interpretation
ist eine Bearbeitung, ob man es will oder nicht. Schon wenn ich mich als Dirigent
für ein Tempo entscheide, kann ich das nur rechtfertigen, indem ich sage:
Ich höre das Stück so. Nur den meisten Interpreten ist das nicht bewusst,
die haben irgendwelche Ideen von historischen Rekonstruktionen. – Was aber sind
die Kriterien für eine gültige Interpretation? – Dass der Interpretierende
sich hundertprozentig identifiziert mit einem Werk, das er tief liebt. Das ist
die einzige Rechtfertigung. Die Entscheidung ist völlig subjektiv.«
In diesem Sinne versuche ich Oswalds Musik gerecht zu werden.
Da die Menschen zu Oswalds Zeit diese Lieder in der Regel verstanden (wenn er nicht wieder mal seine Fremdsprachenkenntnisse aufblitzen ließ), halte ich es für sinnvoll, dass auch mein Publikum heute die Texte versteht. Ich biete keine akademische Aufführung, sondern möchte, dass die Zuhörenden und Zuschauenden sich wie in der Zeit fühlen, möchte ihnen die Atmosphäre und das Lebensgefühl rüberbringen. Deshalb habe ich die meisten mittelalterlichen Lieder, die ich singe, in modernes Deutsch übertragen. Dabei habe ich mich bemüht, dem Sinn so nahe wie möglich zu kommen und trotzdem die Reimstruktur wie im Original zu erhalten.
Die Reaktionen des Publikums zeigen mir, dass dies gerne angewonnen wird. In den nächsten Jahren will ich besonders mein Oswald-Repertoire in diesem Sinne erweitern.

