
Ich – Oswald? Was soll das?
Seit über 20 Jahren mache ich Mittelaltermusik, seit 1995 mit meiner Mittelaltertruppe Conventus Tandaradey. Von Anfang an hat mich die Musik von Oswald von Wolkenstein fasziniert, und ich nahm einige seiner Lieder ins Programm auf. Wenn ich alleine, als Einzelbarde, auftrete, nehme ich seit Jahren manchmal seine Identität an (einige Bilder hierzu).
Inzwischen hat sich dies ausgeweitet, so »bin« ich Oswald regelmäßig bei Führungen im Heidelberger Schloss, wo er ja mehrfach weilte, und in der Altstadt von Heidelberg.
Die Führung mit Oswald in Heidelberg
– Minne,
Musica und Meistersang am Hofe zu Heidelberg 1428 –
»Von Spielweibern und Dichtermusikern«
kann als Sonderführung gebucht werden über das ServiceCenter Heidelberger Schloss
Tel. 06221 655716 + 538431 · Fax 06221 655717 + 538430
info@service-center-schloss-heidelberg.com
– Bilder von Führungen und Auftritten – Videos – Handzettel (jpg) – Handzettel (pdf) – Pressebericht –
Oswald von Wolkenstein trifft auf das Spielweib Susanna, das hier als Hofmusikantin lebt. Sie führt durch das Schloss, und Oswald erzählt mancherlei aus seinem Leben, stellt die Instrumente und Musik seiner Zeit vor, singt einige seiner Lieder – und beide lassen das Publikum tanzen. Reisen Sie in das Jahr 1428! Ludwig der »Bart« beschäftigt als erster Kurfürst eine feste Hofkapelle. Musik ist inzwischen zum unabdingbaren Bestandteil höfischer Selbstdarstellung geworden. Doch was sind die Unterschiede zwischen Hofmusicus, Joculator, Histrio, Spilman und adeligem Dichterkomponisten? Wie steht es um ihre gesellschaftliche Anerkennung? Wie feiert man bei Hofe, wie unten in der Stadt und was sagt die Kirche zu all dem? Gehen Sie auf eine unterhaltsame Reise in die Vergangenheit der Musik mit Kostproben mittelalterlicher Klänge und Lieder – gespielt auf authentischem Instrumentarium.
Schauspielführung in historischer Gewandung. Auch in englischer Sprache buchbar.
»... gleichermaßen kurzweiligen wie informativen Ausflug ins Heidelberger Schloss des 15. Jahrhunderts ... bot Susanna, das Spielweib ... [...] Ein Glück, dass der Minnesänger Oswald von Wolkenstein ... zugegen war und einige Stücke zum besten gab. Zum guten Schluss verfeinerten die Teilnehmer aber noch ihre Umgangsformen und ihre Kenntnisse der höfischen Tänze des 15. Jahrhunderts ...«
Dr. Christoph Bühler, »Nachrichten & Notizen aus der Landeskunde« (landeskunde-online), Dez. 2008, zur Führung auf dem Heidelberger Schloss am 28.12.2008 (der komplette Bericht)
Öffentliche Führungen in Heidelberg mit Friedhelm Schneidewind als Oswald:
19.02.06 · 17.12.06 · 11.03.07 · 16.12.07 · 16.03.08 · 06.07.08 · 31.08.08 · 28.12.08 · 16.03.09 · 02.05.09 · 13.12.09 · 28.02.10 · 31.03.10 · 06.06.10 · 19.12.10 · 06.11.11 · 04.12.11
Faszinierend finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Zehntscheuer in meinem Wohnort Hemsbach das Überbleibsel, nämlich der Bergfried einer Burg aus Oswalds Zeit ist, die in ihrer Endstufe ausgebaut wurde von Otto I., zu Oswalds Zeiten Dorfherr zu Hemsbach und Bruder von Ludwig III., dem Freund Oswalds (Lage, Chronik). Ich wohne ziemlich am Rande der damaligen Burg und bin in der Zehntscheuer öfter als Oswald in Erscheinung getreten.
Musikalisch versuche ich Oswald möglichst so interpretieren, wie es zu seiner Zeit geklungen haben könnte. Neben dem, was ich in der Literatur dazu finde und auf LP- bzw. CD-Booklets, halte ich mich an die Ausführungen von Dieter Kühn zur Aufführungspraxis. In gewisser Hinsicht stimmt natürlich, was der Komponist und Dirigent Hans Zender einmal in einem Interview sagte:
»Jede Interpretation ist eine Bearbeitung, ob man es will oder nicht. Schon wenn ich mich als Dirigent für ein Tempo entscheide, kann ich das nur rechtfertigen, indem ich sage: Ich höre das Stück so. Nur den meisten Interpreten ist das nicht bewusst, die haben irgendwelche Ideen von historischen Rekonstruktionen. – Was aber sind die Kriterien für eine gültige Interpretation? – Dass der Interpretierende sich hundertprozentig identifiziert mit einem Werk, das er tief liebt. Das ist die einzige Rechtfertigung. Die Entscheidung ist völlig subjektiv.«
Aber es gilt natürlich auch, dass genügend Wissen nötig und hilfreich ist, das gilt für alle Arten von Musik, wie etwa der bekannte Pianist Rudolf Buchbinder erläutert:
»Am liebsten vergleiche ich das mit dem Bau eines Hauses. Das Fundament muss solide sein, dann kann man darauf etwas Sinnvolles errichten. Für mich heißt das: Ich versuche, als Künstler so viel wie möglich zu wissen über das, was ich spiele. [...] ... ich gewinne an Freiheit. Je mehr ich weiß, desto größer ist meine Sicherheit, dass ich keinen Unsinn mache.« (Rudolf Buchbinder in: Frankfurter Rundschau, 19. Mai 2007)
Vor allem orientiere ich mich in dieser Hinsicht an Marc Lewon, bei dem ich viel über mittelalterliche Musik und ihre Aufführung gelernt habe:
»Die Forschung gibt mir überhaupt erst die Möglichkeit, mich künstlerisch frei zu bewegen, weil ich eine tiefe Kenntnis der Stile habe, in denen ich mich bewege, weil ich festen Grund spüren, von dem aus ich ›springen‹ kann.« (in: Karfunkel 95, August 2011, S. 125)
In diesem Sinne versuche ich Oswalds Musik gerecht zu werden.
Da die Menschen zu Oswalds Zeit diese Lieder in der Regel verstanden (wenn er nicht wieder mal seine Fremdsprachenkenntnisse aufblitzen ließ), halte ich es für sinnvoll, dass auch mein Publikum heute die Texte versteht. Ich biete keine akademische Aufführung, sondern möchte, dass die Zuhörenden und Zuschauenden sich wie in der Zeit fühlen, möchte ihnen die Atmosphäre und das Lebensgefühl rüberbringen. Deshalb habe ich die meisten mittelalterlichen Lieder, die ich singe, in modernes Deutsch übertragen. Dabei habe ich mich bemüht, dem Sinn so nahe wie möglich zu kommen und trotzdem die Reimstruktur wie im Original zu erhalten. Die Reaktionen des Publikums zeigen mir, dass dies gerne angenommen wird.

